Arbeitsagentur will mit verkürzter Ausbildung mehr Altenpfleger auf den Markt werfen

Geht es nach den Plänen der Arbeitsagentur, dann soll eine um ein Drittel verkürzte Ausbildungszeit den vorhandenen Mangel an examinierten Pflegekräften auffangen. Was sich auf den ersten Blick vielleicht noch als sinnvoll darstellt verliert jedoch spätestens beim näheren Hinsehen den Sinn.

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Bei Arbeitslosen mit Vorkenntnissen sollten 2 Jahre Ausbildung genügen

behauptet die Bundesagentur für Arbeit. In diesem kurzem Satz sind gleich zwei Komponenten untergebracht die mehr auf ein Experiment hindeuten als auf Hilfe für Pflegebedürftige.

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„Vorkenntnisse“ – ein sehr dehnbarer Begriff. Habe ich etwa schon Vorkenntnisse in der Altenpflege, wenn ich einem Familienmitglied bei der Verrichtung der alltäglichen Arbeiten behilflich bin?

„Sollten zwei Jahre genügen“ – und was wenn nicht? So ganz sicher scheint man sich seiner Sache der der Bundesagentur nämlich nicht zu sein. Wie viele Jahre müssten dann wieder ins Land ziehen ehe man staatlicherseits einsieht, dass das Experiment als gescheitert zu betrachten ist?

Mehr als ein Experiment wäre dieser Weg absolut nicht, ein Experiment das auf dem Rücken derer ausgetragen wird denen sowieso schon unverhältnismäßig oft übel mitgespielt wird.

Examinierte Pflegekraft – ein Beruf der großes Verantwortungsbewusstsein voraussetzt

Mit aller Macht und in möglichst kurzer Zeit soviel wie möglich Personal auf den Markt zu werfen geht meines Erachtens auf die Qualität. Eine Verkürzung der Ausbildung von Altenpflegern bedeutet, dass entweder Unterrichtsstoff ersatzlos gestrichen werden muss oder aber das Lehrmaterial aus 36 Monaten in nunmehr 24 Monaten vermittelt wird.

Auch wenn die Bundesagentur für Arbeit hier von „Vorkenntnissen“ ausgeht muss die Frage erlaubt sein, in wie weit die Jobcenter bzw. deren Sachbearbeiter überhaupt beurteilen können wie fundiert diese Vorkenntnisse sind – es sind völlige Laien was den Beruf eines Altenpflegers und dessen Qualifikation betrifft.

Die Personallücken im Pflegewesen auf Kosten der Qualität zu schließen versuchen ist ein völlig falscher Ansatz. Kein normal denkender Mensch würde je auf die Idee kommen, die Fachausbildung eines Chirurgen um ein Drittel zu verkürzen um ihn dann in einen Operationssaal zu stellen. Dieser Vergleich ist durchaus legitim, denn beide haben es mit Menschen zu tun für die sie Verantwortung übernehmen (müssen).

Die Pflege von alten und hilfsbedürftigen Menschen ist kein „Job“, auch wenn die Agenturen für Arbeit dies vielleicht anders sehen mögen.

Mit einer vernünftigen Bezahlung der Pflegekräfte – und hier ist der Staat gefordert – werden auch die Personaldecken wieder gestärkt. Solange sich aber dubiose Firmen an und mit Pflegeheimen bereichern können (dürfen) wird sich an der Pflegemisere in Deutschland nichts grundlegendes ändern. Zweckentfremdete Gelder fehlen definitiv bei der Bezahlung von Personal.

Und jetzt möchte man unterbezahltes und zudem „schlechter ausgebildetes“ Personal dafür nutzen dieser Misere zu entkommen? Ganz klar eine Milchmädchenrechnung die am Ende wieder die Pflegebedürftigen bezahlen müssen – im schlimmsten Fall mit dem Leben.

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